Magie der Raunächte

Durch die Stille und Dunkelheit dieser Tage öffnet sich für mich ein Raum von besonderer Zeitqualität. Eine Schwellenzeit. Die Natur ist an ihrem dunkelsten Punkt des Jahreslaufes, bevor alles wieder von Neuem beginnt. Ich fühle mich an diesen Tagen entrückt, wie auf einer Transitreise zwischen dem Alten, das noch nicht ganz abgeschlossen und dem Neuen, das gerade noch seine Kraft zum Aufbruch sammelt und seine Ausrichtung finden möchte. Die Zyklen des Lebens und der Natur waren unseren Ahnen sehr nahWeiterlesen

Was geht – was bleibt

Momentan packe ich Umzugskartons. Ich stehe also vor der entscheidenden Frage: Was geht-was bleibt? Was hat Bestand und findet Einlass im meinen nächsten Lebensabschnitt, was bereichert – was belastet nur noch. Platz schaffen, abwägen welche Erinnerung mit den Dingen gespeichert sind, loslassen oder bewahren. Ich erlebe das auch als geistige Reinigung, wie gemacht für den Jahresanfang. Plötzlich halte ich inne, ich erinnere mich an das Erlebnis vor einem halben Jahr als ich in Berlin, am Mauerparkflohmarkt unter einem Tisch, einenWeiterlesen

Aschenputtel brennt

Ja, es gibt ihn, den Aschenputtel-Anteil in mir. Er zeigt sich immer dann, wenn ich das Gefühl für die eigene Würde verliere und mich in der scheinbar erdrückenden Macht der Widerstände in der äußeren Welt, selbst aufgebe. Ich fühle mich dann wie steckengeblieben, sitzen gelassen in der Asche am Herd mit dem erdrückenden Gefühl, das eigene Lebensfeuer im Keim ersticken zu sehen. In mir nagt fortwährend ein Konflikt.  Die verheißungsvolle Sehnsucht zu etwas „Königlichen“ bestimmt zu sein; erwählt werden zuWeiterlesen

LOSLASSEN

  Leere macht sich breit in mir…… Wohltuende Leere. Ich fühle mich erleichtert und erlöst. Tag für Tag gewinne ich mehr Leichtigkeit und Lebensfreude. Absehbar war das am Anfang gar nicht. Es benötigte eher das Gefühl Selbstüberwindung in Verbindung mit der Fähigkeit zu leiden. Ich stecke gerade mitten in einer Fastenwoche in einem Kloster in der Schweiz. Jeder der schon einmal heilgefastet hat, weiß wovon ich spreche. Folgende Szenerie: Eine Gruppe von Menschen sitzen am Tisch und trinken literweise BrennnesselWeiterlesen

Working with the given

Wie kann ein Leben gelingen? Wie richte ich mich neu aus? Welche Feinjustierungen oder radikalen Einschnitte braucht eine Veränderung? Welche Umbrüche sind nötig? Beim Sichten und Ordnen der neuen Einsichten und Draufsichten auf mein Leben, und der Frage des Einbettens  in meinen Alltag, stieß ich eher durch Zufall auf die alte, japanische Patchworktechnik „Boro“. Die Boro-Technik, etwa zweihundert Jahre alt, ging aus großer Armut und Knappheit hervor, um die zerschlissene Arbeitskleidung der japanischen Reisbauern immer und immer wieder zu reparieren.Weiterlesen

Ankommen

Ankommen kann nur jemand, der vorher aufgebrochen ist. „Aufgebrochen“, ein Wort mit spannendem, doppeldeutigem Sinn. Aufgebrochen, und damit für mich erlebbar geworden ist so einiges auf meiner Reise durch Indien. Verkrustungen gelöst, Neues offenbart. „Alle Reisende haben eine heimliche Bestimmung, die der Reisende nicht ahnt“- Matin Buber Was habe ich gesucht – was habe ich gefunden? Da lockte erstmal die Auszeit – Abstand zwischen mich und mein alltägliches Leben zu bringen. Erlebt habe ich eine Anderszeit, in der ich eine AndereWeiterlesen

Happy ONAM

Als wir vor drei Wochen bei Dämmerung in Varkala eintrafen, hätte man meinen können, wir passieren in der Vorweihnachtszeit amerikanische Städte. Überall dick mit Lichterketten dekorierte Häuser und Straßenzüge. Ein blinkendes  Lichterspektakel vom Feinsten. Oh je, was ist hier los? Oder noch schlimmer:  sind wir in so einer Spielhöhlengegend gestrandet? Etwas beruhigt haben uns die riesigen Blütenteppiche an den Straßen und auf größeren Plätzen – nicht mehr ganz frisch, doch die prachtvollen Muster und die Mühe, mit der sie gelegtWeiterlesen

YES ssa

Am Ende einer Reise, und während ich das schreibe, fällt es mir schwer ein Ende zu realisieren, stellt sich ja auch immer die Frage: Was nehme ich mit? Was wird sich festnagen im Gedächtnis? Was wird im Alltag Einlass finden? Bei mir ist es diese pulsierende Lebensenergie, die ich hier vorgefunden habe. Dieses unbedingte Ja zum Leben, zum Tag, zum Moment. Bei mir hat sich das manifestiert in einem Bild: Ich gehe die Straße entlang, menschenleer scheint mir, ich passiereWeiterlesen

Let´s play

Ein fünf Wochen währendes Spiel neigt sich straff dem Ende zu. Loslassen heißt es jetzt vom unbefangenem Staunen und Sich-Treiben- Lassen. Pläne schmieden und dann etwas ganz anderes erleben. Dem einzigen Zweck folgend, dass es Spaß macht,  interessant oder neu ist. Am Familienstrand in Cochi hab ich einer Lust nachgegeben, zu der ich mir zuhause nicht mehr die Zeit nahm, seit die Kinder  als Vorwand nicht mehr herhalten wollten. Einen Drachen steigen lassen! Es gibt einen Stand dort in Cochi,Weiterlesen

Handeln was das Zeug hält

Ich habe eine neue Leidenschaft: Feilschen!  Früher hatte ich beim Preis aushandeln immer große Abwehrgefühle und fand es erniedrigend für beide Seiten. Wir sind einfach in einem Kulturkreis aufgewachsen, indem diese Grundfähigkeit des Tauschhandels – Feilschen – komplett verkümmert ist. Ich hatte schon mehrere intensive Trainingslager zum „Thema: bargain“in Istanbul und Marrakesch besucht.  Bin dann aber oft mit hängenden Schultern und ohne das Objekt meiner Begierde nach Hause bekommen. Hier in  Indien  habe ich die Meisterschaft erlangt und für alle,Weiterlesen