Magie der Raunächte

Durch die Stille und Dunkelheit dieser Tage öffnet sich für mich ein Raum von besonderer Zeitqualität. Eine Schwellenzeit. Die Natur ist an ihrem dunkelsten Punkt des Jahreslaufes, bevor alles wieder von Neuem beginnt. Ich fühle mich an diesen Tagen entrückt, wie auf einer Transitreise zwischen dem Alten, das noch nicht ganz abgeschlossen und dem Neuen, das gerade noch seine Kraft zum Aufbruch sammelt und seine Ausrichtung finden möchte.

Die Zyklen des Lebens und der Natur waren unseren Ahnen sehr nah und vertraut und auch in mir wächst das Bedürfnis, das eigene Leben wieder mehr an dem natürlichen Rhythmus der Natur auszurichten und von den uralten Bräuchen und Riten zu erfahren.

Es ist eine mystische Zeit, in der die Schleier zur Anderswelt gelüftet werden, und wir dadurch Zugang zu besonderen Erkenntnissen von uns selbst erhalten. Es ist die Zeit die Polaritäten des Lebens zu halten und die Kräfte zu schauen, die am wirken sind zwischen Licht und Dunkelheit, Tiefe und Leichtigkeit, Trauer und Freude. So nutze ich diese magische Nicht-Zeit für Meditationen, viel Zeit für Rückzug und Innenschau und genieße magische Momente beim Räuchern von Kräutern und Harzen.

Früher war diese Phase von großen existenziellen Ängsten geprägt: Hunger, Kälte, Krankheit waren die bedrohlichen Geister und Dämonen des Winters und der Dunkelheit.

Vor welchen Geistern und Dämonen muss ich mich hüten und ihre Anwesenheit fürchten? Übersetzt in die Jetztzeit sind meine Dämonen alte Glaubenssätze und Muster, denen ich noch folge,obwohl sie mich auf meinem Weg hindern.

So ist diese magische Zeit für mich auch Spiegelzeit. Alles ist beseelt und ich verbringe viel Zeit in der Natur, lausche dem Wind, erfreue mich am Blätterrauschen, am Funkeln im See und am Baumrindenbilder schauen. Neugierig spielerisch sammle ich Informationen und Wahrnehmungen und bekomme Einblick und Orientierung in die Zusammenhänge meines Lebens. Ich versuche meiner Intuition dicht auf der Spur zu bleiben. Es wird weniger geplant an diesen Tagen, sondern eher spontan gefolgt, wenn sich ein Impuls nach oben drängt. Ich werde zum Spurenleser meiner Lebensahnungen, zum Übersetzer von geheimen Gefühlsbotschaften und mit etwas Magie entdecke ich den roten Faden, der sich im kommenden Jahr entspinnen will und dessen Muster mein Leben bereichern möchte.