LOSLASSEN

 

Leere macht sich breit in mir…… Wohltuende Leere.
Ich fühle mich erleichtert und erlöst. Tag für Tag gewinne ich mehr Leichtigkeit und Lebensfreude.
Absehbar war das am Anfang gar nicht. Es benötigte eher das Gefühl Selbstüberwindung in Verbindung mit der Fähigkeit zu leiden.

Ich stecke gerade mitten in einer Fastenwoche in einem Kloster in der Schweiz. Jeder der schon einmal heilgefastet hat, weiß wovon ich spreche.
Folgende Szenerie: Eine Gruppe von Menschen sitzen am Tisch und trinken literweise Brennnessel – oder Birkenblättertee bis der Höhepunkt der Mahlzeit serviert wird, ein Teller klare Gemüsebrühe OHNE Salz. Vornübergebeugt führt nun jeder langsam und meditativ seinen Löffel Brühe zum Mund und verkostet ihn, als wenn es sich um die neue Kreation eines Spitzenkoches handelt. Ach Verzeihung, fast vergessen zur optischen Verfeinerung wird noch ein Hauch Petersilie darüber gestreut. Dieses Peterli, wie die Schweizer es nennen, ist so fein geschnitten, dass sich einzelne Partikel schon im Nanobereich befinden. Aber das Auge ißt ja bekanntlich mit. Am Abend wird das Ganze via Einlauf oder Bittersalz wieder aus dem Körper entleert.

Zwischen den Mahlzeiten wird geturnt, gewandert, gebetet und regelmäßig ein Leberwickel angelegt. Als Tischgespräch eignen sich fast immer Erzählungen vom letzten 3 Gänge Menü bei Freunden oder der Austausch der Lieblingsrezepte. Hier ist eine ausgeprägte Leidensfähigkeit mit Hang zum Masochismus von Vorteil, um weiterhin begeistert seine Wasserbrühe zu löffeln.

Ich gebe zu, zwei bis drei Tage scheint es die Vorstufe zur Hölle zu sein, dann aber switcht der Körper um. Jede Menge Serotonin wird ausgeschüttet und ein unglaublich gutes Körper- und Lebensgefühl macht sich breit.
Sehr hilfreich war mir dabei der Satz: „Den Gedanken an Essen loslassen“- ausprobieren, es klappt. Meistens sind es die Gedanken an Essen, die ein Hungergefühl auslösen und nicht der Körper.

In dieser Zeit der Reduziertheit liegt es natürlich nahe, sich auch dem übrigen Ballast im Leben zuzuwenden und die Situation zu nutzen, Ungeliebtes und Unnützes loszulassen.
Im Laufe meines Lebens habe ich nicht nur materiellen Besitz angehäuft, sondern auch Vorstellungen, Konzepte und Glaubenssätze.
In manches bin ich unbewußt so tief verstrickt, verheddert, verhaftet das sich daraus meine Gefühle und Gedanken speisen.

Zeit zur Überprüfung und zur Korrektur meiner Verstrickungen, Verlustängste und der Bequemlichkeiten  in meinem Leben. Denn Anhaftung, so befand schon Buddha vor 2500 Jahren ist die Quelle allen Leiden.
Ich habe beim Fasten gelernt, das Loslassen nur kurzes Leiden verursacht, danach wartet der Himmel auf Erden. Wieso sollte das beim Rest in meinem Leben nicht auch funktionieren!

2 Antworten zu LOSLASSEN

  1. Sabine sagt:

    Liebe Anja,
    schön, dass Du uns teilhaben lässt an Deiner Reise.
    Wünsche Dir weiterhin Genuss, Mut und Kraft für Dein Vorhaben.
    Alles Gute,
    Sabine

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  2. Monika sagt:

    Liebe Anja vielen Dank für den tollen, tiefgründigen Blog. Wunderbar: LosLASSEN.

    Nachdem ich diese Woche einen Familienschrank aus meiner Küche durch ein aufwendig renoviertes, weiß gekalktes Küchenbuffet ersetzt habe, fühle ich mich leicht und freier. Der Inhalt ist reduziert. Von Innen beleuchtet, steht jetzt auch nur noch Lieblingsgeschirr drin. Jedes halbherzige Teil und alles, was mich an etwas negatives erinnert hat, ist aussortiert. Nun, wenn ich das neue, von mir gestaltete Buffet öffne sehe ich Fülle, liebevolle Geschenke von guten Freunden und Licht, wenn ich das Licht anschalten will.

    Ein Schrank ist ein Schrank. Loslassen tut gut. Platz für neue Informationen entsteht. Fülle und Licht, warum nicht?

    Alles Liebe
    Monika

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